Muss das Baby spielen lernen?

Wenn wir uns die Zeit nehmen, das Baby zu beobachten, sehen wir, wie es beschäftigt ist: Mit großen Augen blickt es sich um, bleibt vielleicht hier oder da an einem Gegenstand hängen. Sieht es einen anderen Menschen, blickt es in sein Gesicht und ahmt den Gesichtsausdruck nach. Ist es größer, ergreift es mit den kleinen Händen die Umgebung, um sie zu erfahren, zu fühlen. Irgendwann wird auch das Essen zum Mund geführt, befühlt, gerochen, geschmeckt. All das, und noch viel mehr, ist Spiel für das Kind.

Spiel ist alles, womit das Baby beschäftigt ist, denn spielend lernt es die Welt kennen. Es erprobt seine Fähigkeiten im Spiel und baut sie zunehmend aus. Deswegen muss das Baby nicht spielen lernen, sondern bringt das Spiel, die Neugierde und Abenteuerlust von Anfang an in das Leben mit. Je nach Temperament ist das Spiel unterschiedlich bei Kindern ausgeprägt und auch die Interessen werden zwar von der Umgebung beeinflusst, unterliegen aber auch den ganz persönlichen Interessenbereichen des Kindes.

Als Eltern müssen wir Babys daher das Spielen nicht beibringen. Unsere große Aufgabe aber ist es, das Spiel des Babys und Kindes nicht zu stören oder abzulenken und das Untersuchen des Kindes zuzulassen: Kinder dürfen von sich aus ein Spielzeug entdecken und seine Funktionen erproben. Dazu wird es mit Händen und Mund befühlt, wird auf seine Eigenschaften überprüft. Wir müssen die Funktionen einen Spielzeugs nicht vorführen, müssen ein durchdacht entwickeltes Spielzeug nicht erklären, sondern können darauf vertrauen, dass das Kind es selbst entdeckt.

Holz buntes Rollspielzeug mit Stäben, Ring und Spiraleffekt

Babys wollen die Welt selbst entdecken

Hat das Kind die Chance, ein Spielzeug selbst zu erforschen, kann es dabei alle Sinne einsetzen und lernt ganzheitlich. Zudem macht es die wichtige Erfahrung, selbst wirksam sein zu können: Es erfreut sich daran, Dinge selbst zu schaffen und herauszufinden, wodurch Glückshormone ausgeschüttet werden bei positiven Erfahrungen. Diese vertiefen das neu gelernte Wissen und lassen das Kind positiv an neue Herausforderungen herangehen. Von Anfang an kann sich das Kind so neuen Aufgaben aufgeschlossen zuwenden und profitiert langfristig davon, wenn wir es von der Babyzeit an einfach nach seinen Bedürfnissen spielen und erkunden lassen. Lediglich den Rahmen des Spiels, d.h. die Auswahl der Materialien und Spielzeuge, können wir Erwachsene zunächst bestimmen und dem Baby so die Möglichkeit geben, eine Vielfalt unterschiedlicher Sinneseindrücke über die Spielmaterialien zu geben.

Dies ist ein Artikel unserer Gastautorin Susanne Mierau. Sie ist Mutter von drei Kindern, studierte Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik), Familienbegleiterin, Herausgeberin des Online-Magazins geborgen-wachsen.de sowie Autorin von Ratgebern rund um das Leben mit Babys und Kleinkindern.

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