Fingerfood für Babys und Kleinkinder

Beikoststart: Baby Led Weaning – „Babygeführte Entwöhnung“

Statt klassischer Beikost mit Brei gibt es seit einiger Zeit einen Trend zum Baby Led Weaning, kurz BLW. Dabei wird statt mit Brei mit babygerechtem Fingerfood zugefüttert. Was es damit auf sich hat und worauf Sie achten müssen, wenn Sie für Ihr Baby das Baby Led Weaning in Betracht ziehen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Fingerfood für Babys und Kleinkinder

Was ist Baby Led Weaning?

Beim Baby Led Weaning wird auf das Zufüttern mit Brei verzichtet. Stattdessen bekommt das Baby direkt feste Nahrung, die es selbst in die Hand nimmt und zum Mund führt. Die Erwachsenen bieten dabei das Essen nur an, das Baby wird also nicht gefüttert. So kann es selbst bestimmen, was es probieren möchte und wieviel es davon isst. Geeignet sind handliche Stücke von gekochtem Gemüse oder Fleisch, aber auch bissfestes Obst, Brot und Käse.

Beikost-Reife-Zeichen beachten

Die WHO empfiehlt, mit der Beikost ab dem 7. Monat zu beginnen. Aber jedes Kind entwickelt sich anders, manche sind schon etwas früher bereit, andere haben erst spät Interesse am Essen. Zu den Beikost-Reife-Zeichen gehören motorische und kognitive Fähigkeiten: Das Baby sollte schon mit etwas Unterstützung aufrecht sitzen und den Kopf selber halten können. Der Zungenstreckreflex, mit dem kleine Babys automatisch alles Essen aus dem Mund herausschieben, muss bereits abgeschwächt sein. Ein wichtiges Anzeichen, das Sie früher oder später beobachten werden, ist das Interesse für das Essen bei Ihren eigenen Mahlzeiten. Das Baby beobachtet mit großen Augen, wie Sie die Gabel zum Mund führen. Vielleicht öffnet es den Mund wie ein Vögelchen beim Zuschauen oder es greift sogar nach Ihrem Essen. Das sind deutliche Zeichen dafür, dass Ihr Kind bereit für den Beikoststart ist.

Nicht alles ist für Baby Led Weaning geeignet

Egal ob Brei oder Fingerfood: Salz, Zucker, Honig oder scharfe Gewürze sind nichts für den Beikost-Start. Auch rohe Eier sowie roher Fisch und Fleisch, Innereien und Rohmilch sind für Babys tabu. Beim BLW müssen Sie außerdem darauf achten, dass das Baby Lebensmittel einatmen und sich daran verschlucken könnte. Damit es nicht gefährlich wird, sollten Sie keine Nüsse und nur kleingeschnittene Weintrauben, Kirschen oder kleine Tomaten anbieten.

Chaos am Tisch ist beim Baby Led Weaning vorprogrammiert

Natürlich kann das Baby noch nicht essen wie die Großen. Gerade am Anfang geht es um ein Erforschen des angebotenen Essens mit allen Sinnen. Nicht nur der Geschmack, auch die Beschaffenheit ist unterschiedlich. Manches lässt sich zerdrücken, anderes wird gelutscht. Von Ihnen erfordert das Baby Led Weaning eine Menge Geduld und Gelassenheit. Denn vieles wird anfangs zermatscht und verteilt. Auf dem Tisch, auf dem Boden, auf dem Baby (von oben bis unten!) und auf Ihnen. Stellen Sie sich auf zusätzlichen Aufwand für Aufräumen, Putzen und Baby-Säubern ein.

Selbstbestimmung und Selbstständigkeit des Babys werden gefördert

Das Baby ist beim Baby Led Weaning von klein auf ein Mitglied am Familientisch. Es bestimmt selbst, was und wieviel es probiert und kann das Essen eigenständig nach Herzenslust erforschen und entdecken. Das entspricht dem Entdeckergeist von Babys und Kindern und fördert die Entwicklung eines gesunden Selbstvertrauens. Wichtig ist, dass das Essen immer unter Aufsicht stattfindet, denn manche Babys verschlucken sich leicht. Essen ist ein komplexes Zusammenspiel von Bewegungen, das erst geübt werden muss.

Schadet Breifüttern also dem Baby?

Dieser Umkehrschluss stimmt natürlich nicht. Es gibt sogar Brei-Befürworter:innen, die das Baby Led Weaning ablehnen. Eine geregelte, kontrollierbare Nährstoffzufuhr beim Breifüttern und geringere Verschluckungsgefahr sind dabei die wichtigsten Argumente. Wenn Sie Ihr Baby beim Füttern gut beobachten und respektvoll vorgehen, spricht nichts gegen klassischen Beikost-Start mit Brei. Achten Sie auf Sättigungssignale, wenn das Baby zum Beispiel das Köpfchen wegdreht, und drängen Sie es nicht, weiterzuessen. Das stärkt die Selbstregulation und eine gesundes Selbstbewusstsein. Die motorische Entwicklung und den Entdeckergeist Ihres Babys können Sie dann bei anderen Gelegenheiten fördern. Zum Beispiel mit einem Motorikbrett. Auch außerhalb von BLW können Sie die sozial-emotionale Entwicklung Ihres Babys fördern und achtsam begleiten. Mehr dazu erfahren Sie in unseren Artikeln Bedürfnisorientierte Erziehung und Babys verwöhnen.

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Nährstoffzufuhr beim Baby Led Weaning und bei Breikost

Die aufgenommenen Nährstoffmengen beim BLW sind natürlich erst einmal gering. Hauptnahrungsquelle ist daher weiterhin das Stillen oder die Milchnahrung. Insbesondere für die Mineralstoffe Eisen und Kalzium ist die Milch wichtig. Erst nach und nach steigern sich die Mengen, die das Kind beim selbstständigen Essen tatsächlich aufnimmt und der Bedarf an Milchnahrung sinkt. Das Baby gewöhnt sich in seinem eigenen Tempo an feste Nahrung. Beikost in Form von Brei macht hingegen schneller satt. Die Nährstoffe, die das Baby zu sich nimmt, sind besser zu bestimmen und es ist weniger aufwendig. In vielen Familien wird die klassische Breigabe mit Baby Led Weaning gemischt. So können die Vorteile beider Methoden vereint werden.

Egal wie Sie sich entscheiden, ein ausgewogenes Angebot an Nahrung und eine entspannte Atmosphäre bei den Mahlzeiten ist das Wichtigste. Begleiten Sie Ihr Kind bei den ersten Essversuchen liebevoll und aufmerksam, dann klappt der Beikost-Start bestimmt.

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