Spielen mit Kleinkindern: Gemeinsame Freude am Rollenspiel

Spielen mit Kleinkindern: Gemeinsame Freude am Rollenspiel

Irgendwann kommt bei Eltern der Moment, in dem sie feststellen, dass sich das Spiel des Babys verändert hat: Es spielt nicht mehr, um zu be-greifen, um die Eigenschaften von Dingen kennen zu lernen oder um sich ein Bild von der Welt zu machen. Es ahmt auf einmal den Alltag nach: Es füttert eine Puppe mit einem Löffel, es nimmt ein Tuch und reibt über den Tisch, es rührt in einem kleinen Topf. Wenn dieser Punkt erreicht ist, merken wir, wie sehr wir wirklich im Alltag in den kleinen Dingen ein Vorbild sind – und wie viel unsere Kinder jeden Tag von uns aufnehmen.

Spielen mit Kleinkindern: Gemeinsame Freude am Rollenspiel

Warum Rollenspiele für Kleinkinder so wichtig sind

Im Rollenspiel werden nun die Aktivitäten des Alltags und auch das Soziale nachgeahmt: Gestik, Mimik und Handlungen werden kopiert und das Kind setzt sich auf eine neue Weise mit der Welt auseinander. Meistens geschieht dies rund um den ersten Geburtstag – bei einigen früher, bei anderen später. Im kleinen Feld des Ausprobierens wird nun geübt und gelernt – allein und natürlich gerne im Zusammensein mit anderen: Mama, Papa, Oma und Opa werden bekocht, frisiert, dürfen mit am Puppentisch sitzen und bekommen Kaffee und Tee gereicht. Es macht Kindern große Freude, gemeinsam mit anderen Kindern und Erwachsenen den Alltag nachzuspielen. Zusammen können nun im Spiel auch die wichtigen Punkte des Alltags auf spielerische Weise durchgegangen werden: Das Kind reicht eine Tasse, wir bedanken uns dafür. “Bitte”, “Danke” und “Entschuldigung” werden durch unser Vorbild gelernt, nicht durch beharrliche Aufforderungen. Im Spiel können Werte für Kinder auf natürliche Weise und entspannt vermittelt werden.

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Spielend Alltagssituationen verstehen

Besondere Bedeutung hat das Rollenspiel auch für Situationen außerhalb der Alltagsroutine: Der Besuch bei der Kinderärztin kann im Spiel vorab durchgegangen oder anschließend verarbeitet werden. Nun ist das Kind die Ärztin und darf in Mund und Ohren schauen, einen Pieks in den Arm geben und es wird zusammen darüber gesprochen, was vielleicht weh tut und wann man Trost braucht. Auch der Besuch von Handwerkern oder andere besondere Situationen werden gern nachgespielt. Nach wie vor gilt: Durch Spiel eignet sich das Kind die Welt an, auch die sozialen Aspekte und Handlungsweisen. Deswegen ist es gut, wenn wir Kindern den Raum geben, nach Herzenslust nachzuspielen, was ihnen wichtig erscheint. Gleichzeitig erfahren wir dadurch, welche Themen ihnen gerade wichtig sind.

Dies ist ein Artikel unserer Gastautorin Susanne Mierau. Sie ist Mutter von drei Kindern, studierte Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik), Familienbegleiterin, Herausgeberin des Online-Magazins geborgen-wachsen.de sowie Autorin von Ratgebern rund um das Leben mit Babys und Kleinkindern.

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