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Kinder spielen mit Arztkoffer von Selecta© – Sozialverhalten lernen Kinder Rollenspielenspiel

Wie Kinder Sozialverhalten lernen. So fördern Sie die Entwicklung von Sozialkompetenz bei Ihrem Kind

„So ein kleiner Egoist!“ Mit dem Beginn des Kitabesuchs, beim Kindergeburtstag oder auch beim Verwandtschaftsbesuch lernen viele Eltern eine neue Seite an ihrem Nachwuchs kennen. Sie erleben, wie ihr Kind auf andere Menschen außerhalb der Familie reagiert. Das kann ernüchternd sein. Denn viele kleine Kinder zeigen einen ausgesprochen robusten Umgang mit ihren Mitmenschen: Lea nimmt anderen Kindern Dinge weg, die sie haben will. Matteo schubst, wenn ihm jemand im Weg ist. Ben sagt niemals „Danke“ und Mila schlägt nach ihrer Erzieherin, wenn diese eine „Ansage“ macht. Das sind Momente, in denen sich Eltern fragen: Stimmt etwas nicht mit dem Sozialverhalten meines Kindes? Wie kann ich es bei der Entwicklung von Sozialkompetenz fördern?

Kinder spielen mit Arztkoffer von Selecta© – Sozialverhalten lernen Kinder Rollenspielenspiel

Sozialkompetenz ist nicht angeboren, sondern erlernt

Bringen manche Kinder einfach ein schlechtes Sozialverhalten mit? Die Antwort ist klar: Ein gutes Sozialverhalten gehört nicht zur Grundausstattung des Menschen bei der Geburt, sondern wird erlernt. Man könnte sagen: Jeder Mensch kommt mit schlechtestem Sozialverhalten zur Welt, als absoluter Egoist und Sturkopf. Erst die Erfahrungen, die man mit anderen Menschen macht, formen das soziale Verhalten. Dabei verhält es sich wie bei mancher Sportart: Je mehr Zeit man zum Trainieren hat, desto besser kommt man mit anderen Menschen klar.

Sozialverhalten lernt man nicht über Regeln

Was können Eltern tun, um das Sozialverhalten ihres Kindes zu fördern? Viele Mütter und Väter setzen vor allem darauf, ihrem Kind Regeln beizubringen, wie man mit anderen umgeht. Zum Beispiel: „Wenn man etwas geschenkt kriegst, sagt man ‚Danke‘!“ Aber der Weg mit dem Vermitteln von Benimm-Regeln führt nicht weit. Denn um den Sinn solcher Regeln zu verstehen, müsste das Kind vorher entsprechende Erfahrungen gemacht haben. Das bedeutet beim Beispiel mit dem Geschenk: Warum ‚Danke‘ sagen wichtig ist, versteht man erst, wenn jemand traurig ist, weil man sich nicht über sein Geschenk gefreut hat.

Sozialkompetenz lernen durch möglichst viele Begegnungen

Will man also sein Kind in puncto Sozialverhalten fördern, muss man es auf andere Menschen treffen lassen. Nur in Begegnungen mit Mitmenschen kann es erfahren, was es heißt, eigene Bedürfnisse mit denen der anderen abzugleichen. Oft sind das zunächst simple Erfahrungen mit Ursache und Wirkung: Wenn Lea Zeynep das Auto wegnimmt, guckt diese böse und will nicht mehr mit ihr zusammen spielen. Wenn Matteo andere Kinder schubst, weinen diese und werden getröstet, Matteo hingegen ermahnt. Kinder müssen erfahren: Wenn ich etwas Bestimmtes tue, tritt eine bestimmte Folge ein.

Sozialverhalten fördern durch Freiraum

Wichtig ist bei diesen Erfahrungen im Miteinander: Die Kinder brauchen für ihr „soziales Training“ Freiraum, auch zum Fehlermachen. Wachen Erwachsene immerfort mit Argusaugen darüber, dass kein Kind das andere schlecht behandelt, kann niemand echte Erfahrungen mit den Folgen bestimmter Verhaltensweisen machen. Es ist also gut, wenn der Nachwuchs im Kinderzimmer oder auf dem Kita-Spielplatz manchmal egoistisch und unfair miteinander umgeht. Denn genau dann trainieren die Kinder ihr Sozialverhalten! Unvermeidbar ist natürlich, jederzeit eingreifen zu können, wenn eins von ihnen wirklich Unterstützung braucht.

Sozialkompetenz erwirbt man durch Nachbereitung

Ebenso wichtig ist es, nach solchen Momenten, in denen es mit dem Sozialverhalten noch nicht geklappt hat, mit dem Kind zu sprechen. Denn gerade die ganz Kleinen verstehen kaum, warum eine Situation plötzlich eskaliert ist, nur weil am Anfang jemand geschubst hat. Statt mit dem Kind zu schimpfen, sollten Eltern also erst einmal gemeinsam aufarbeiten, was geschehen ist: „Warum, meinst du, ist Zeynep auf einmal wütend geworden?“, „Und weiß du, warum du dann plötzlich so sauer warst?“ Hat man gemeinsam herausgefunden, was geschehen ist, kann man zusammen Alternativen verabreden: „Beim nächsten Mal kannst du probieren, einfach Entschuldigung zu sagen“. Es ist gut, sich als Eltern darüber im Klaren zu sein: Mein Kind will anderen nicht wehtun, sondern mit ihnen gut klarkommen. Aber es braucht noch Hilfe dabei.

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Sozialverhalten vertieft sich in gemeinsamen Spielen

Eines der besten Trainingsfelder für Sozialkompetenz ist das Spiel. Dabei kommt es darauf an, welche Spiele die Kinder spielen: Manche Spielzeuge, die eher für ein Kind allein konzipiert sind, fördern das Sozialverhalten kaum. Bei einem Spiel auf dem Tablet zum Beispiel spielt nur ein Kind für sich, und es gibt höchstens Streit, wer das Gerät benutzen darf. Wie viel besser sind Spiele, bei denen immer mehrere Kinder zusammen spielen müssen! Hier kommt es auf ein gutes Miteinander an. Ein tolles Beispiel ist der Arztkoffer von Selecta ®: Ein Kind ist leidender Patient, das andere mitfühlende Ärztin. Dass man den anderen beim Fiebermessen oder Abhören vorsichtig behandeln soll, merkt man spätestens beim Rollenwechsel. Und dass beim Abschied aus der Arztpraxis „Danke“ und „Auf Wiedersehen“ gesagt wird, schaut man sich von den Erwachsenen ab, deren Verhalten im Rollenspiel nachgeahmt wird.

Wenn zwei, drei oder vier Kinder zusammen spielen, zurückhaltend begleitet von Erwachsenen, entwickeln sie mehr Sozialkompetenz als im längsten Benimmkurs der Welt.

Dies ist ein Artikel unseres Gastautors Michael Fink. Er ist als Dozent in der Fort- und Weiterbildung von Erzieher:innen und Lehrer:innen tätig, Mitbegründer einer pädagogischen Fachzeitschrift und Autor von über 50 pädagogischen Fachbüchern.

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In der Fantasiewelt wird das echte Leben geübt

Die Fähigkeit, sich etwas auszudenken, ist der zentrale Baustein der Persönlichkeitsentwicklung. Durch das Spielen wird die Vorstellungskraft von Kindern aktiv gefordert. Kinder lieben es, in verschiedene Rollen oder Berufe zu schlüpfen, sich eine eigene Handlung auszudenken, Charaktere auszusuchen und ihnen eine Stimme zu verleihen. Ganz spielerisch fördert dies die Sprachentwicklung. Und auch Verhaltensweisen können ausprobiert und soziale Kompetenz erlangt werden.

Fantasie wächst nur an Herausforderungen

Langeweile hat völlig zu Unrecht so einen schlechten Ruf. Eltern sind auch nicht dafür verantwortlich, dass ihr Kind konstant beschäftigt ist. Im Gegenteil: Wer auf jedes Quengeln mit neuen Unterhaltungsangeboten reagiert, lässt die natürlich vorhandene Vorstellungskraft verkümmern. 

Das Problem ist, dass mit Fernsehen, Handy, Tablet und Co. immer mehr digitale Medien täglich zur Auswahl stehen. Kindgerechte Sendungen und Spiele fördern zwar durchaus die Fantasie, jedoch ist die Dauer der Mediennutzung entscheidend. Kinderärzte empfehlen, dass Kinder unter zwei Jahren möglichst gar nicht fernsehen sollten. Bei Kindergartenkindern sind 30 Minuten vor einem Bildschirm täglich das Maximum.

Also Mut zur Bespaßungs-Lücke! Schalten Sie häufiger mal alle digitalen Geräte aus (auch Ihre eigenen!). Denn nur wer sich langweilt, kann auf kreative neue Spielideen kommen.
Motivieren Sie Ihr Kind z.B. vorhandene Alltagsgegenstände mal ganz anders zu nutzen oder neue Dinge daraus zu gestalten. Und lassen Sie sich von der Natur inspirieren, denn auch Bewegung an der frischen Luft lässt Gehirnzellen wachsen.

Spielzeug: Weniger Vorgaben heißt mehr Freiraum für eigene Ideen

Und auch beim Spielzeug ist ein Mehr an technischer Ausstattung nicht unbedingt förderlich für die Fantasie. Je einfacher es konstruiert ist, um so mehr Möglichkeiten hat ein Kind, es auf ganz unterschiedliche Arten immer wieder neu zum Leben zu erwecken. So wie z.B. bunte Bausteine, Klötzchen oder Steckfiguren, die nahezu unbegrenzte Möglichkeiten zum Zusammenbauen bieten.

Spielsachen, die nur auf eine vorher vom Hersteller definierte Weise funktionieren oder reagieren, sind dagegen schnell langweilig. Dies gilt auch für Spiele, die von Erwachsenen detailliert erklärt werden. Auch wenn Sie es gut meinen und Ihrem Kind vormachen wollen, wie es vermeintlich „richtig geht“: Kinder wollen Sachen selber ausprobieren und erforschen. Das macht sie stolz und fördert nicht nur die Kreativität, sondern auch das Selbstbewußtsein.

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